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Freitag, Mai 26, 2017

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Impressionen - NEVER SMILE WITH A CROCODILE

1995 erschien der nachfolgende Artikel des Journalisten Walter Schoendorf, vieles ist mittlerweile überholt, insbesondere die Passagen mit Auswirkungen des Golfkrieges haben nichts mehr mit der Realität gemein, denn Kuwait ist - heute - modern, gepflegt, Auswirkungen der Golfkrise lassen sich in keiner Hinsicht mehr spüren aber - als einzige Publikation über Kuwait in den vergangenen 10 Jahren spiegelt der Artikel eine Nachricht wieder, die immer noch Gültigkeit hat: in Kuwait erlebt man den Geist einer neuen Zeit... 

KUWAIT IS FREE
"Der Aufkleber ist allgegenwärtig. Er ziert den improvisierten Schalter des Visa-Beamten im Flughafen, klebt auf schwarzen Nobelkarossen und im gläsernen Hotelaufzug und pappt ziemlich verschrammt auf der Rückseite eines GameBoys. Der Aufkleber zeigt das Grün, Schwarz, Rot der Staatsflagge und auf dem weißen Mittelstreifen prangt in fetten Versalien: KUWAIT IS FREE FOREVER!"

GESTERN
The Kuwaiti
"Es sind nicht mal sechs Jahre her, da wurden das Emirat mit den größten Erdölreserven der Erde aus seinen unbekümmerten Träumen gerissen. In einer Blitzaktion marschierte der Irak am 2. 8. 1990 um 2 Uhr Ortszeit in den kleinen Golfstaat ein. Kuwait, zu deutsch "kleine Festung", konnte dem Ansturm aus dem Norden nicht einmal 24 Stunden trotzen. Hunderttausende flohen ins Ausland, an ihrer Spitze die Herrscherfamilie des Hauses Sabah. Saddam Hussein erklärt Kuwait zur 19. irakischen Provinz seines "mesopotamischen Großreiches". Ein halbes Jahr später befreite die alliierte Operation "Desert Storm", Wüstensturm, das besetzte Land. Entsetzliche Bilder liefen damals über die Fernsehschirme. Verschmutzte Küsten, brennende Ölfelder, schwarzer Himmel bei hellichtem Tag. Die Irakis hatten fast alle kuwaitischen Ölfelder und Erdgasquellen gesprengt und damit ein unvorstellbares Feuerinferno angerichtet. Der Krieg um Kuwait hat unsere Vorstellungen über die Golfregion geprägt und verändert. Aus den reichen Öl-Scheichs wurden traurige Gestalten einer ökologischen Katastrophe. Doch kaum war der kleine Staat befreit und die brennenden Ölfelder gelöscht, verschwand Kuwait aus der aktuellen Berichterstattung - und CNN hatte seinen internationalen Durchbruch geschafft. Die Weltöffentlichkeit ließ das kleine Emirat mit seinen Problemen allein.

Das Land ist reich, und mit dem Wiederaufbau wurde sofort und im großen Stil begonnen. Aber kann man das Trauma der Okkupation, bei der viele Kuwaitis getötet oder in den Irak verschleppt wurden, allein mit Petrol-Dollars wettmachen? Auch der Flughafen und die 15 Maschinen der Kuwait Airways fielen der irakischen Aggression zum Opfer. Der Airport wurde wieder aufgebaut und die neuen Flieger von Kuwait Airways sind wieder weltweit unterwegs. "Kuwait International Airport" hat sich zu einer der wichtigsten Drehscheiben im Flugverkehr zwischen Europa und Asien entwickelt. Langsam beginnt sich nun auch der kleine Golfstaat für Reisende zu öffnen. Anscheinend ist das Trauma des irakischen Überfalls und seiner ökologischen Folgen für die Kuwaitis sehr wichtig, denn ganz oben auf dem Besichtigungsprogramm steht der obligate Besuch der weitgehend zerstörten Burgan Oilfields."

Shark Marina

HEUTE
"Kuwait ist brettflach und der klimatisierte Bus gleitet auf breiten Asphaltstraßen durch eine hitzeflirrende Landschaft. Kein Baum, kein Strauch. Nur 1% der Staatsfläche kann landwirtschaftlich genutzt werden. Überlandleitungen überziehen die nackte Ebene und verformen sich im flimmernden Hitzedunst. In der Ferne funkeln die goldenen Kuppeln einer Moschee. Blau-weiß gestreifte Wassertürme tauchen wie überdimensionale Wüstenpilze am Horizont auf. Sie speichern das entsalzte Meerwasser; Wasser ist in Kuwait kostbarer als Öl. Im Informationszentrum der Burgan Oilfields wird ein Dokumentarfilm über die komplizierten Löscharbeiten der über 700 brennenden Öl- und Gasquellen gezeigt. Schwarz verschmierte Männer - Desperados und selbsternannte Fachleute aus aller Welt - kämpfen in einem Inferno ohne Sonne, in einer Welt aus Feuer und Rauch, bis die letzte Flammenfontäne gelöscht ist. Nach dem beklemmenden Film geht es hinaus zu den zerstörten Ölfeldern. Eine Gasfackel leuchtet am dunstigen Horizont. Die Luft ist bleiern, es riecht süß und giftig. Schillernde Farben kräuseln sich auf einem Tümpel. Kein Vogel, kein Insekt, nur graue, tote Sträucher. Es ist einer der 300 Ölseen, gefährliche Mixturen aus Öl, Wasser und chemischen Löschmitteln - Hinterlassenschaften des zweiten Golfkrieges, die langsam abgepumpt und chemisch gereinigt werden. Über 50 Quadratkilometer Wüstenboden sind ölverseucht. Hier tickt eine flächendeckende Zeitbombe, die zunehmend das kostbare Grundwasser des Wüstenstaates bedroht. Kuwaitische Wissenschaftler haben damit begonnen diese Altlasten in neutralen Wüstensand rückzuwandeln. Auf einer tennisplatzgroßen Fläche darben blaßblühende Blümchen in Reih und Glied; ein richtungsweisendes Projekt der Universität Kuwait. Unter großem Aufwand soll das Erdreich durch ölfressende Mikroorganismen im Wurzelwerk der "Gänseblümchen" abgebaut werden. In der Nähe des lebenszerstörenden Teiches ragen die rostigen Trümmer der Ölförderanlage aus dem flachen Gelände. Zerfetzte Anlagen, zerschossene Autos."
Shark Marina
FEUER & FEELINGS
"Auch die Geschichte des Qarain House hat mit dem 2. Golfkrieg zu tun. Mitten in einem gepflegten Vorort der Großstadt Kuwait steht ein zerfetztes Familienhaus. Es erinnert an die Fernsehbilder aus Bosnien. Ein großes Loch gähnt im Obergeschoß und hat eine klaffende Wunde in die Wohnzimmerwand gerissen; die blaugestreifte Sitzgarnitur von IKEA hat das Desaster erstaunlich gut überstanden. Ein irakischer Panzer hat sein Mündungsrohr noch auf die Ruine gerichtet. Kuwaitische Frauen schieben lachend ihre Kinderwagen vorbei. Amerikanische GI's langweilen sich beim Pflichtbesuch und fotografieren sich gegenseitig auf dem Panzer. Das zweistöckige, unauffällige Wohnhaus war während des Krieges ein Widerstandsnest; junge Kuwaitis wehrten sich mit Handfeuerwaffen gegen die irakischen Besatzer und wurden gnadenlos eliminiert.
Das Qarain House ist heute ein Symbol der neuen nationalen Identität und ein Stück Zeitgeschichte zum Anfas-sen. "Never smile with a crocodile" hat ein Besucher auf die Gedenktafel über den durchgestrichenen Namen des irakischen Diktators gekritzelt.
Identitätsstiftende Einrichtungen waren die ersten und wichtigsten Ziele der irakischen Aggressoren; das kulturelle Selbstverständnis des kuwaitischen Volkes wurde vorsätzlich zerbombt. Aber im Gegensatz zu dem weitgehend zerstörten Nationalmuseum und dem einzigen Planetarium im arabischen Raum, blieb das Tareq Rajab Museum erhalten. Die einzigartige Privatsammlung von arabischen und islamischen Schriften, kostbaren Teppichen, Silberschmuck, Musikinstrumenten und Porzellan wurde während der Besatzung versteckt und kann nun in den kühlen, dunklen Kellerräumen besichtigt werden.
Shark MarinaDer Schnittpunkt zwischen der kuwaitischen Moderne und der alten arabischen Welt liegt zwischen dem futuristischen Parlamentgebäude und dem alten Hafen. Gerade in den frühen Abendstunden, wenn der rote Sonnenball in den dunstig blauen Wolkenschichten über dem Golf verschwindet, legt sich der Charme des Orients über die hölzernen Dhaus, den traditionellen arabischen Küstenschonern. Fischer in ihren blütenweißen Dishdashas, in den traditionellen knöchellangen Kleidern, sitzen auf den Booten. Sie rauchen und reden leise miteinander, das Meer und die rosa Wolkenbank am westlichen Horizont fest im Blick. Dunkle, wettergegerbte Gesichter mit munteren, flinken Augen; Sindbad könnte darunter sein. Aber Sindbads Armgelenk würde keine glitzernde Rolex schmücken und kein Handy würde unter seinem faltigen Dishdasha piepen. Die Kuwaitis haben das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Sie brauchen keine Steuern zu zahlen und werden kostenlos ärztlich versorgt. Neben den Einkünften aus dem Öl- und den daraus resultierenden Anlagegeschäften spielt der Fischfang eine marginale, wenn auch traditionell wichtige Rolle.
Der Fischmarkt von Kuwait-City ist in einer Industriehalle untergebracht. Aber die nüchterne Hülle kann das turbulente Leben darin nicht im geringsten beeinflussen. Die langen Bänke biegen sich unter den Fischleibern. Thunfische, Haie, Rochen, Rotbarben und viele kleinere Arten. Die Gewässer im Golf sind sehr fischreich. Händler überschreien sich; Hai ist besonders begehrt. Frauen in langen, schwarzen Gewändern, alle bis auf die Augenschlitze verschleiert, schleppen den zerlegten Räuber in durchsichtigen Plastiktüten nachhause.
Kuwait Towers bei Nacht
Dunkelheit legt sich über das hellerleuchtete Kuwait-City. Eine kühle Brise weht vom Golf herüber. Nun gehen die Kuwaitis ihrer Lieblingsbeschäftigung nach - man trifft sich zum Shopping im Souq, dem traditionellen Basar in der Altstadt. Im zentralen Bereich dominieren Haushaltswaren, Elektroartikel, Uhren, Krimskrams. Die Gassen der Textilhändler erglühen in den Farben der angestrahlten Stoffrollen. Grellbunt und golddurchwirkt leuchten die teueren Gewebe wie ein geheimnisvolles Material aus einer fernen Welt. Im Reich der indischen Schneider rattern Nähmaschinen. Immerhin stellen die überwiegend asiatischen Gastarbeiter 60% der Bevölkerung und sogar 75% aller Erwerbstätiger. Aber von Fremdenhysterie ist hier im Suq nichts zu spüren. Kuwaitische Frauen prüfen lautstark hinter ihren Schleiern die Qualität der Gewänder. Sie lassen die fein bestickten Säume durch ihre hennabemalten Finger gleiten und jede Naht wird von den schwarz umrandeten Augen begutachtet. Aber die größte Anziehung hat der Gold-Souq von Kuwait. Er ist bekannt für die Qualität der Goldschmiede und für seine erstaunlich günstigen Preise. Etliche Seitenstraßen und ein mehrstöckiges Kaufhaus beherbergen die glitzernde Pracht. Millionen von Armreifen, Halsketten und Ohrschmuck werden von Punktstrahlern angeleuchtet. Wie große schwarze Vögel umflattern die Töchter des Landes diese glitzernden Objekte ihrer Begierden. Der arabische Geschmack ist üppig, ausladend. Gold ist hier mehr als nur Schmuck; Gold war das traditionelle Zahlungsmittel im Orient. Heute wird mit Kreditkarte bezahlt, glaubt man den vielen Aufklebern an den grell bestrahlten Vitrinen der Juweliere. Gold wird heute mit Plastik, mit der "Goldcard" aufgewogen."

Markt
KISSEN & KULTUR
"In dem Wort Diwaniya steckt ein Stück Sitzkultur, der Diwan, das niedrige Sofa ohne Rückenlehne. Die Diwaniya ist ein mit Polsterbänken und Sitzkissen ausgestatteter Raum in den vornehmen Häusern Kuwaits.
Darin sitzen abends die Herren der Schöpfung, trinken süßen Tee und würzigen Kardamom-Kaffee aus winzigen Täßchen und reden über Gott und die Welt - vor allem über Politik. Es gibt viele Diwaniyas in dem kleinen, superreichen Golfstaat Kuwait. In diesen Debattierklubs geht es munter zu, schließlich werden hier die Kalipolitischen Vorgaben diskutiert, die später im Parlament entschieden werden. Von einer wirklichen Demokratie ist das ehemaligen Scheichtum noch weit entfernt.
Wahlberechtigt sind nur rund 15 Prozent aller Kuwaitischen Staatsbürger, ausschließlich Männer, deren Vorfahren schon 1920 im Emirat ansässig gewesen sein müssen. In der Diwaniya at Al Mailam sind ausländische Besucher (auf Anfrage) willkommen - auch weibliche.
In der Mitte des Raums stehen einige Wasserpfeifen. In Kuwait raucht man "Hubbly Bubbly". Es schmeckt frisch und angenehm nach Äpfeln oder Minze und duftet nach den Geschichten aus Tausend-und-einer-Nacht. Die welterfahrenen Kuwaitis sind freundliche und neugierige Gastgeber. Reden und reden lassen. Aber zwischen den munteren Gesprächen blitzt immer wieder das Trauma der Okkupation durch.
Ist Kuwait für immer befreit? Noch immer sitzt der unsichtbare Saddam Hussein den Kuwaitis im Nacken. "NEVER SMILE WITH A CROCODILE"."
© Walter Schoendorf
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