Sonntag, Februar 05, 2012

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Zu Besuch bei Onkel Ho - Vietnam lächelt wieder

Nach vielen Jahren selbstgewählter Isolation und schleppend abgewickelten Einreiseformalitäten hat Vietnam sich wieder auf den einstmals so wichtigen Devisenbringer Tourismus besonnen. Viele "Joint-Venture"- Projekte im ganzen Land mit ausländischen Partnern künden von einer neuen Offenheit, die früher oft bemängelte Infrastruktur in Punkto Hotelerie und Transportation hat sich positiv entwickelt, und das oftmals etwas störende sozialistische Grundverhalten der nördlichen Landesteile hat weitestgehend einer überraschenden Freundlichkeit Platz gemacht.

Allgegenwärtig, in Geist und Wort, ist Onkel "Ho" Chi Minh, der durchaus zwiespältige Vater des vietnamesischen Sozialismus. Onkel Ho sorgte für ein positives, weltweites Bewußtsein in Bezug auf Vietnams Unabhängigkeitsbestreben, allerdings trug sein multilaterales Kontaktbewußtsein zu Großmächten nicht unwesentlich zu vietnamesischen Krisensituationen bei.

Hanoi
Wer Vietnam verstehen will, muß zunächst das Vietnam "nach der Wende" kenenlernen. Ganz im Sinne von Onkel Ho ist man geradezu verpflichtet, sich einem kleinen "Brainstorming" zu unterziehen. Ho Chi Minh Mauseleum, Ho Chi Minh Museum, Ho Chi Minh Regierungs- und Sterbehaus etc etc.

Die einstmalige Gildestadt Hanoi mit der Straße der Schreiner, der Schmiede, der Töpfer, der Weber und vieler weiterer Zunftarten steht heute im Zeichen des "Übervaters" und als unbefangener Besucher muß man genügend Unbefangenheit und Neutralität mitbringen, um auch z. Bsp. den Tempel der Literatur und die herrlichen alten Kolonialbauten sowie zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten zu bewundern, die nichts mit der politischen Entwicklung des Landes zu tun haben - obwohl dies zuweilen den generellen Interessen der örtlichen Reiseleiter widerspricht.

Halong Bay
Etwa 3 Stunden Fahrt von Hanoi entfernt erschließt sich ein völlig anderes Vietnam. Die Halong Bay strahlt eine gewisse Beschaulichkeit aus und die Unesco erklärte die Karstberge der Bucht zum Weltkulturgut. Bei Sonnenuntergang - und hier empfiehlt sich ein Drink an der Bar des Heritage Hotels - strahlt das schemenhafte Verschwinden der Karstberge iin der Dunkelheit eine gewisse Mystik aus; in den Morgenstunden entführen kleine Dschunken jeden Besucher während einer Kreuzfahrt durch die Bay in eine andere Welt. Hunderte von Hügeln in bizarren Formen erheben sich urplötzlich aus dem Meer und zahlreiche begehbare Grotten vermitteln einen Einblick vom "Innenleben" der Halong-Bay.

Hue
Die alte Kaiserstadt des früheren Reiches Annam erfuhr erst vor 200 Jahren einen architektonischem Aufschwung. Die Franzosen nämlich waren der Meinung, daß man zur visuellen Untermauerung der Monarchie die heute noch bestehende "Imperial Citadel" benötigte. Eine wehrhafte Feste, die sich neben stabilen Mauern und Wassergräben vor allem durch das schöngeistige Innenleben auszeichnete. Überreste der Bibliotheken und Lustschlösschen im Inneren der Zitadelle lassen erahnen, daß Vietnam von jeher ein Land der Künste, und weniger des Krieges, war.

Den gleichen Eindruck vermitteln die imposanten Grabmäler der Herrscher Tu Duc und Kay Binh in der Nähe Hues. Für Hue sollte man sich Zeit nehmen. Die Stadt am Parfümfluß bietet eine ganze Reihe sehenswerter Attraktionen und ausgedehnte Bootsfahrten oder auch ein Tag am Pool des Century Riverside Hotels entbehren nicht eines gewissen Erholungswertes.

Saigon (Ho Chi Minh Stadt)
In Saigon fühlt man sich als mitteleuropäischer Besucher heimisch. Südvietnam hat eine andere Einstellung zu Besuchern, ist generell flexibler und erinnert entfernt an Bangkok vor 20 Jahren. Prachtvolle Kolonialbauten lassen erkennen, wieviel Saigon den früheren Kolonialmächten bedeutet haben muß.

Angefangen vom Continental Hotel über das Grand Hotel bis hin zu zahlreichen katholischen Kirchen wartet Saigon mit Fassaden aus dem vergangenen Jahrhundert auf. Geschichtsinteressierte Besucher erwartet in Saigon übrigens auch die chinesische Seite der Stadt. Cholon - das Chinatown der Metropole - vermittelt lebhafte Eindrücke vom Lebensstil der Exilchinesen.

Unabhängig davon kann man Handel und Wandel allerorten feststellen, viel Verkehr allerdings auch. In einem renommierten Reiseführer liest man folgende Zeilen: " In Saigon sollte man sich bemühen - ungeachtet von eventuellen Ampelschaltungen oder Zebrastreifen- Straßen zügig zu überqueren, jedoch ohne zu rennen. Vietnamesen auf Mopeds, in PKW´s oder auf Fahrrädern werden sich stets bemühen, Fußgänger, insbesondere Ausländer, nicht zu treffen" (- vielen Dank).

"Boomtown Saigon" ist wahrscheinlich eine der wenigen asiatischen Metropolen, die für jeden Anspruch etwas bietet. Eine unglaubliche Palette von kulinarischen Spezialitäten aus allen Teilen Asiens; ein moderates Nachtleben in Form von lebhaften, jedoch nicht "anrüchigen" Bars und Diskotheken, sowie eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten im Kern der Stadt und im Umfeld.

Der Rest
Vietnam muß man spüren, fühlen, sehen und schmecken. Das land ist facettenreich wie kein zweites. Eindrücke aus dem Vietnamkrieg (Saigon War memorial" gehören ebenso dazu wie der Wolkenpaß zwischen Hue und Danang, ein Besuch der Marmorberge am China Beach ebenso wie ein Bummel durch die geschichtsträchtigen Stadtteile von Hoy An. Tatsache ist: Vietnam hat weder viel mit Thailand, noch mit Malaysia oder anderen tourismusträchtigen Destinationen in Südostasien gemein. Ein Besuch im Land von Onkel Ho setzt einen wachen Geist, offene Augen, und etwas Fingerspitzengefühl Voraus.

 

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